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01.07.2006


Kein Mensch kann seine Mutter besitzen, keiner kann also die Erde zu seinem Eigentum machen ... (OJIBWA)


Ein Gasthund erzählt von seinem Tag bei uns

von Martina Scheuer März 2007

Ich bin ein Schlittenhund, ich bin ein Schlittenhund.

Hurra ich bin ein Schlittenhund!!!

von Mika Blue Eyes

Samstag, 10. März 2007. Die Sonne scheint und das Wetter verheißt ein schönes Wochenende. Aber irgend etwas ist faul an diesem Tag. Normalerweise liegen unsere Zweibeiner am Wochenende immer bis in die Puppen in der Kiste und wir gehen meist erst um 10 Uhr auf unsere große Morgenrunde. Aber diesmal waren sie wesentlich früher wach als sonst und auch unsere Morgenrunde begann früher als normalerweise an Wochenenden üblich. Zuerst dachte ich: Na ja. Bei dem schönen Wetter hält es selbst unsere Langschläfer nicht mehr im Bett, aber so wirklich überzeugt war ich nicht von diesem Gedanken. Irgendwie hatte ich ein komisches Gefühl…..

Nach der Morgenrunde am Fahrrad bekamen wir unser Frühstück und durften uns zur Verdauung auf unsere Decken legen - so wie immer. Na, vielleicht hatte ich mich doch getäuscht und unsere Zweibeiner hatten einfach nur Lust den schönen Tag länger zu geniessen und haben ihn deshalb früher als sonst begonnen…. Aber dann sah ich Frauchen packen. Geschirre, Halsbänder, feste Schuhe und Regenklamotten packte sie ein. Wobei ich mich fragte, wozu sie die Regenkleidung brauchte – es war doch strahlender Sonnenschein…..

Um 12 Uhr dann haben die Zweibeiner uns und die Regenklamotten ins Auto gepackt und sind los gefahren. Da ich jedoch beim Auto fahren in einer Box untergebracht bin, konnte ich natürlich nicht erkennen, wohin die Reise geht. Nur mein komisches Gefühl – das wurde immer komischer….

Nach ca. 45 Minuten hielten unsere Zweibeiner an und stiegen aus dem Fahrzeug. Uns haben sie erst mal nicht mitgenommen. Kurze Zeit später kamen sie zurück um uns zu holen. Als wir die kleine Straße entlang gingen, hörte ich auf einmal ein lautes Geheule, das mir irgendwie bekannt vorkam, aber ich hatte immer noch ein komisches Gefühl. Und kaum waren wir um die Ecke, fuhr mir der Schreck in die Glieder. Da saßen ungefähr 25 Hunde und gaben ein Heulkonzert vom feinsten, als sie uns gesehen haben. Aber halt! Warte mal! Die sehen ja alle so ähnlich aus wie Kira und ich. Und überhaupt – warum sitzen die alle hinter Gittern?  Das wird doch  nicht…. oh Gott nein…. Hilfe, das wird doch wohl nicht ….. nein, das ist doch hoffentlich kein Tierheim und unsere Zweibeiner werden uns doch nicht etwa hierlassen?!? Bitte Leute, nie wieder Tierheim. Hey Frauchen, Herrchen – ich hab’ euch doch lieb. EHRLICH! Ganz echt! Tut mir das nicht an. BIIITTTEEEE. Ich wusste ja gleich, dass irgend etwas nicht stimmt, aber DAS können die doch nicht machen!!!

Eine ganze Weile ist nichts passiert. Unsere Zweibeiner haben sich hingesetzt und sich mit einer Frau unterhalten, die sich dort um die Hunde gekümmert hat. Plötzlich wurden wir festgebunden und die Frau hat unsere Zweibeiner zu den Hunden in den Zwinger gesteckt. Häää??? Wie jetzt? Herrchen und Frauchen hinter Gitter? Also, jetzt versteh ich gar nix mehr. Sollte es etwa so sein, dass WIR die Zweibeiner im Tierheim abgeben?!?! Seltsam…… Gut, ich hab’ dann kapiert, warum die in den Zwinger sind. Da waren die Welpen drin und die waren ja sooooooo niedlich. Obwohl, die kleinen Kerle waren schon 4 ½ Monate alt und hatten’s faustdick hinter den Ohren. Und wie hoch die springen konnten…..

Unsere Zweibeiner sind dann noch in die Zwinger der anderen Hunde gegangen und haben auch diese begrüßt und beschmust. Als sie damit fertig und wieder bei uns waren, kamen auch schon die Chefs von dem Laden. Ralf und Christiane hießen sie. Und dann hab’ ich auch kapiert, um was es hier eigentlich ging. Das war eine Huskyfarm wo man am Wochenende Husky-Kurse und Workshops belegen konnte. Und weil meine Kumpeline Kira mehr ein Faultier im Huskypelz ist und ich üüüberhaupt nicht einsehe, warum ich den Wagen alleine ziehen soll, wollten unsere Leute mal ausprobieren, wie das so ist, wenn man mit einem Gespann ziehender Hunde fährt. Puh….. Glück gehabt. Das war also kein Tierheim und es besteht die Chance, dass sie uns wieder mit nach Hause nehmen. Aber wieso hatte ich dann immer noch so ein komisches Gefühl????

Plötzlich wurde es wieder superlaut. Christiane, Ralf und die andere Frau, Ute, liefen hurtig hin und her, rein in die Zwinger, Geschirre anziehen und wieder raus. Wagen festmachen und nach und nach die Hunde einspannen. Meine Güte war das laut. Und irgendwie so ansteckend. Alle haben geheult und gebellt, also hab’ ich eben mal mitgeheult. Wollte ja nicht unnötig auffallen…..

Die Hunde waren also alle eingespannt (8 pro Wagen), die Kursteilnehmer und Musher auf den Wagen und los ging’s mit Schmackes um’s Eck und weg waren sie. Kaum waren sie um die Ecke war es mucksmäuschenstill. Nicht ein Husky war mehr zu hören. Weder die aus den Gespannen, noch die, die zuhause geblieben waren. Und ich hab’ mich auch mal lieber ganz klein gemacht, denn ich hatte ja immer noch so ein komisches Gefühl….

Nach der vierten Runde wurden dann ein paar Huskys ausgetauscht und ehe ich mich versah, war ich einer von denen. Schwupps hatte ich auch so ein komisches Ding an, das die Menschen Zuggeschirr nennen und hing an Neck-, Tug- und Zentralleine fest. Jetzt wusste ich, warum ich dieses komische Gefühl nicht los wurde. Ich ahnte Schlimmes…..

Der Typ neben mir hieß Tenekee. Zuerst hatte ich die Befürchtung, dass er mich blöd anmacht, von wegen Frischling und so, aber er war recht nett. Vielleicht war er aber auch einfach nur ein bisschen k.o., denn er ist schon die vier Runden zuvor mitgelaufen. Ich hab’ mitbekommen, dass sie mit mir absichtlich bis zur letzten Runde gewartet haben, damit die Jungs und Mädels nicht mehr ganz so viel Power haben und ich besser mithalten konnte. Das Gespann war ein Gemisch aus Jung und Alt. Von 2 bis 14 Jahren war alles vertreten. Sogar aus dem Tierschutz waren welche dabei und hatten ihren Spass. Mit den Jungspunden konnte ich mich natürlich nicht messen aber vor den Alten wollte ich mich auf keinen Fall blamieren. Und da ich ja eh nicht von alleine aus dem Gespann gekommen wäre, hab’ ich halt das Beste draus gemacht und mich so gut wie möglich angepasst. Ich hab’ gleich mal die Grundposition eingenommen. Körper gespannt, Beine durchgestreckt, Nase nach vorne und auf das Startsignal gewartet. Nur das lautstarke Herumgehopse an der Zugleine hab’ ich mich nicht getraut. Die anderen sind auf und ab gesprungen und haben total laut gekreischt, aber das hab’ ich mal lieber gelassen. Ich hab’ mich lieber mental vorbereitet. Das war auch das einzige, das mich als Frischling entlarvt hat. Das und die Tatsache, dass ich, im Gegensatz zu den anderen, noch blitzsauber war. Die anderen waren schon recht schmutzig, weil es unterwegs einige Pfützen gab, durch die das Gespann durch musste. Jetzt versteh’ ich auch, warum Frauchen die Regenklamotten eingepackt hat….. Aber abgesehen vom meinem ruhigen Verhalten und meinem sauberen Erscheinungsbild, hab’ ich da so gut reingepasst, als wäre ich schon immer bei dieser Truppe gewesen. Ich habe sozusagen dazugepasst wie “Arsch auf Eimer”. Wie ich später erfahren habe, war meine Position im Gepann die des Swing-Dogs. Tja -- der Swing liegt mir halt im Blut…..

Kaum kam das Startsignal, ging’s auch schon los. Ich bin gelaufen, als hätte ich nie etwas anderes gemacht. Frauchen war ganz aufgeregt.  Ich hab’ sie immer wieder “cooooool” rufen hören oder “Christiane, schau mal, wie Mika läuft… läuft er nicht super…. das macht er doch prima…. als hätte er das schon immer gemacht…..”. Und auch sonst hat sie alle möglichen Geräusche von sich gegeben. Geräusche, die ich noch nie zuvor bei ihr gehört hatte. Aber ich hab’ auch immer wieder mal eine andere Stimme gehört. Die von Christiane, der Musherin: “runterbremsen….. nicht zu schnell und achte auf die Hunde…… da vorne, die Kurve – hole etwas weiter aus…..”. Ja ja. Auch Frauchen musste sich etwas anstrengen und konzentrieren. Herrchen hatte es da ein bisschen einfacher. Der hatte ein geübtes Gespann ohne einen Frischling wie mich. 

Als wir nach ca. 10 km wieder an unseren Ausgangspunkt zurück kamen, durfte Frauchen unser Gespann “einparken”, denn das war die letzte Runde. Ich und die anderen aus meinem Gespann blieben zunächst mal eingespannt. Quasi zum cool-down. Nach einer Weile und 1000 Fotos oder so, durfte mein Frauchen mich ausspannen. Auch die anderen Hunde wurden ausgespannt und durften ihren wohlverdienten Feierabend in ihren Zwingern geniessen. Sie kuschelten sich aneinander und haben erst einmal geschlafen. Später dann wurden zuerst alle Hunde  gefüttert und danach gab’s für die frischgebackenen Musher-Neulinge ein gemütliches Lagerfeuer und lecker Gegrilltes. Und während die Zweibeiner gegessen und geklönt haben, durften wir es uns im Auto gemütlich machen. Mir war das ganz recht. Ich war sowieso für’s erste Schach matt und wollte nur noch eins – mich hinlegen und schlafen

An diesem Wochenende habe ich wieder einiges dazugelernt: Kira ist schön aber ich bin schön UND sportlich – nicht nur am Fahrrad. Das kann ich sogar beweisen. Ich habe nämlich ein Schlittenhund-Diplom! Jaaaa, ihr habt richtig gelesen. Ich bin jetzt diplomierter Schlittenhund!!!! Meine Zweibeiner haben zwar auch ein Diplom, das Musher-Diplom, aber meines ist viiiieeeeel wichtiger. Allerdings frage ich mich, wofür die Zweibeiner ein Diplom bekommen haben. Schließlich standen die ja nur hinten drauf während ich, meine 7 Kumpels und die 8 von Herrchens Gespann die ganze Arbeit gemacht und uns abgemüht haben. Tssss….  Ach, was soll’s. Ich will mal nicht so kleinlich sein. Ich jedenfalls bin glücklich und habe entdeckt, dass ich ein ECHTER Schlittenhund bin --  auch wenn ich wegen chronischem Schneemangel einen Wagen gezogen habe.     

Übrigens, das komische Gefühl ist verschwunden. Unsere Zweibeiner haben uns wieder mit nach Hause genommen.

Eines allerdings verzeihe ich meinem Frauchen nicht so schnell…. Sie hat nämlich verraten, dass ich mit Katzen zusammen lebe und kaum war der Satz ausgesprochen, erntete ich nur noch Spott. Von wegen “Mika, was bist denn du für ein Husky……?!” Und wenn schon. Da steh’ ich drüber, denn seit Samstag weiß ich:

“Ich bin ein Schlittenhund, ich bin ein Schlittenhund. Hurra, ich bin ein Schlittenhund……”

Anmerkung von Frauchen: Wer sich für einen Husky-Kurs oder ein Workshop interessiert, der sollte mal unter www.globusline.de (Ralf und Christiane Gotthardt) nachsehen. Die Leute sind super nett, arbeiten aus Freude und Leidenschaft mit ihren Hunden, ohne Leistungsdruck und, was für mich sehr wichtig ist, ihre Hunde werden mit zunehmendem Alter und nachlassender Leistung nicht abgeschoben, sondern dürfen ihren wohlverdienten Ruhestand geniessen. Oder sie laufen, je nach körperlicher Konstitution, in einem Gespann kurze Strecken, bei geringer Geschwindigkeit. Zudem sind sie auch noch tierschützerisch engagiert. Ich empfehle sie gerne und mit gutem Gewissen weiter.



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Mitglieder im Verband VDSV und AGSD
Musherpaßnummern: Christiane 004923016111866; Ralf (diplomierter Hundeverhaltenstherapeut) 004922105601865
Wir sind beide seit 2006 Inhaber des Diploms "Better-Mushing I" vom VDSV
Stand: 27. Dezember 2014