Home Nach oben Wir über uns AGB Gutschein&Diplom Wie alles begann Schlittenhunde Hundenamen Urlaub bei uns GästebuchGlobusLine - unsere Huskyfarm im schönen Steigerwald

 

Home
Nach oben

Besucher seit
01.07.2006


Ein Stamm besteht aus lauter Individuen und ist so gut wie jeder Einzelne  ... (CHEAF Seattle Duwamish)


Der Traum eines Hundes

Ein Missglücktes Vorstellungsgespräch !

Teilnehmer :

  •  Arbeitsberater Papenheim
  •  Stellensuchender Digger

Sie wollen also ein Schlittenhund werden!?" Papenheim saß hinter seinem großen Schreibtisch, strich sich über seinen Schnauzbart und blickte sein Gegenüber unverwandt an.

"Sie verstehen mich miß!" Digger schüttelte den Kopf. "Ich BIN ein Schlittenhund!"

Papenheim beugte sich etwas vor und zog die Augenbrauen hoch. "Dann zeigen sie mir doch einmal ihre Papiere."

Digger rutschte verlegen auf seinem Stuhl hin und her. "Ich habe doch schon gesagt, dass ich keine Papiere habe." Und etwas selbstbewusster fügte er hinzu: "Aber was sagt denn das über meine Qualitäten als Schlittenhund aus?"

"Oh!" Papenheim lehnte sich wieder in seinem Sessel zurück. "Eine ganze Menge, mein junger Freund. - Haben sie denn schon einmal in diesem Job gearbeitet?"

"Klar! Ich bin in verschiedenen Teams gelaufen und ..."

"Sind sie in diesem Beruf ausgebildet?" unterbrach ihn sein Gegenüber. "Nein, ich - äh..." Digger legte die Ohren etwas an. "Ich war..."

"Hilfsarbeiter also!" schnaufte Papenheim.

Digger schaute verlegen auf seine Pfoten. "Es ist nicht so, wie sie denken." Versuchte er es erneut. "Meine Mutter hat viele Preise gewonnen und stammt aus einer alten Familie von Sibirien Huskies."

Papenheim blätterte in der Akte, die vor ihm auf dem Schreibtisch lag. "Und ihr Vater?" fragte er wie beiläufig.

"Äh - der war ..." Digger schluckte. "Der war in Pflege bei den Menschen meiner Mutter..."

"Ach?!" Wieder zog Papenheim seine Augenbrauen hoch. "Und von ihrem Vater haben sie wohl auch ihre Tupfen, wie?" Ärgerlich stützte er sich mit den Händen auf dem Schreibtisch ab und beugte sich Digger entgegen, so dass dieser ein Stück zurückwich. "Sie sehen aus wie ein Dalmatiner, Mann!" brüllte er und ließ sich dann wieder schnaufend in seinen Sessel zurückfallen.

"Ich bin ein Pinto." Wagte Digger einzuwenden. "Die sind sehr selten und..."

"Papperlapapp!" Papenheim schnaufte wieder. "Karierte Gänseblümchen sind auch selten und das gibt ihnen immer noch nicht die Qualifikation, als Rose zu fungieren."

"Aber ich BIN ein Schlittenhund!" begehrte Digger auf. "So glauben sie mir doch endlich."

"Wie steht es mit ihrem Lebenslauf?"

Digger deutete mit der Schnauze auf die Akte, die auf dem Schreibtisch ruhte. "Meine Bewerbungsunterlagen liegen ihnen bereits vor."

Mit steil aufgerichteten Augenbrauen zog Papenheim ein Blatt Papier aus einer Klarsichthülle und lehnte sich zurück. "So, so! - Sie haben also ein Jahr in einem Heim gelebt..."

"Unverschuldet!" versicherte Digger schnell. "Meine ersten Menschen waren sehr nett, aber leider nicht in der Lage, mich artgerecht unterzubringen..."

"...dann sind sie in einer anderen Familie gewesen und konnten oder wollten sich dort nicht anpassen..."

"Sie hatten eine Katze..."

"Sie HATTEN eine Katze, ja..." Papenheim schüttelte ärgerlich den Kopf. "Sie scheinen nicht sonderlich anpassungsfähig zu sein!" und ohne eine Antwort abzuwarten fuhr er fort: "Danach waren sie im Heim, bis sie zu einem Musher gekommen sind?"

"Ja!" seufzte Digger. "Er wollte mich zum Leader ausbilden, - Leithund, wenn sie verstehen..." Sein Blick schweifte verträumt in die Ferne. "Es war wunderbar..."

"Und warum hat das nicht geklappt?"

"Ich bin Rechts-Links-Verwechsler." Murmelte Digger kaum hörbar.

"Na wunderbar!" Papenheim klatschte fast vergnügt in die Hände. "Ein Rechts-Links-Verwechsler als Leader. Darauf hat die Welt gewartet!"

"Ich bin aber auch in anderen Positionen gelaufen!" versicherte Digger. "Ich war auch Wheeler!"

"Hören sie, Digger!" Fast väterlich schaute Papenheim auf ihn herab. "Machen sie sich doch nichts vor. Sie möchten gerne ein Schlittenhund sein, haben aber nicht die Qualitäten dazu. - Wir werden jetzt einmal schauen, was wir ihnen anbieten können..." Er griff hinter sich, zog einen weiteren Ordner aus dem Regal und schlug ihn auf. "Hier haben wir doch schon etwas für sie." Er blickte auf und verzog seinen Mund zu einem grinsen. "Ich könnte ihnen einen Teilzeitjob im Versuchslabor anbieten. Es wäre zwar nicht für lange..."

"Bitte?" Digger schüttelte den Kopf, dass ihm die Ohren schlackerten. "Das kann doch nicht ihr Ernst sein, oder?"

"Na gut!" lenkte Papenheim ein. "Etwas anderes..." Versonnen blätterte er in der Akte, bis sein Blick schließlich an einer Seite hängen blieb. "Das ist doch etwas: Ab nächsten Monat läuft eine Umschulungsmaßnahme zum Seehund..."

Digger sträubte sich das Fell. "Aber ich bitte sie! Sehe ich aus, als würde ich freiwillig ins Wasser gehen?"

"Ts! - Also ein wenig Anpassungsfähigkeit sollten sie schon zeigen, wenn sie einen Job haben wollen..."

"Aber ich bin doch ein Schlittenhund..." murmelte Digger traurig und ließ die Ohren hängen.

Papenheim schlug mit der Faust auf den Schreibtisch. "Zum Donnerwetter noch mal, jetzt begreifen sie doch endlich, dass ich sie nicht vermitteln kann!" Mit hochrotem Gesicht zupfte er an seiner Krawatte. "Sie haben Tupfen, Schlappohren, keine Papiere, sind Rechts-Links-Verwechsler und womöglich auch noch viel zu langsam."

"Meine Mutter pflegte immer zu sagen," seufzte Digger mit glasigen Augen, "wenn die Menschen schnell fahren wollen, sollen sie sich einen Motorschlitten kaufen." Er blickte Papenheim verträumt an. "Wissen sie eigentlich, wie es ist, durch einen tief verschneiten Wald zu laufen? Nur das leichte Scharren der Kufen und das Hecheln des Nachbarn in den Ohren... - Mutter erzählte mir von Alaska..."

Papenheim schlug mit einem Knall den Ordner zu, so dass Digger erschreckt hochfuhr. "Wissen sie was?" schnaufte er.

"Nein!?"

"Zwei Blocks weiter, Zimmer 215! Dort können sie einen Ausreiseantrag stellen. Auf Hunde wie sie können wir hier wahrlich verzichten. - Und jetzt entschuldigen sie mich. Es gibt schließlich noch Arbeitswillige, die meiner Hilfe bedürfen."

Digger verließ das Büro und als er auf die Straße trat, atmete er tief durch. Es hatte angefangen, zu schneien. Fast vergnügt schnappte er nach ein paar Schneeflocken, die vorwitzig um seine Nase tanzten und machte sich schließlich auf den Weg. Auf den Weg nach Alaska.

 Ein Missglücktes Vorstellungsgespräch ?



Senden Sie E-Mail mit Fragen, Anregungen oder Kommentaren zu dieser Website an: globusline@gmx.de
Copyright © 2006 GlobusLine Ralf Gotthardt
Mitglieder im Verband VDSV und AGSD
Musherpaßnummern: Christiane 004923016111866; Ralf (diplomierter Hundeverhaltenstherapeut) 004922105601865
Wir sind beide seit 2006 Inhaber des Diploms "Better-Mushing I" vom VDSV
Stand: 27. Dezember 2014