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01.07.2006


Die Vögel verlassen die Erde mit Ihren Flügeln - Auch die Menschen können die Erde verlassen, zwar nicht mit Flügeln - aber mit Ihrem Geist  ... (Hehaka Sapa, black elk - SIOUX)


Der Musher und seine Vorbereitungen

 

Schaut man sich im Fernsehen, in Büchern oder Bildbänden Berichte von Mushern an, bekommt man leicht den Eindruck, dass man sich nur mal eben ein bisschen hinten auf den Schlitten oder den Trainingswagen stellen müsse, die schöne Landschaft genießen und ab geht es.
Weit gefehlt!
Allein das Handling (Aus- und Einschirren der Hunde ...) macht einem schon schwer zu schaffen. Mit dicken Handschuhen - vor Freude springende Hunde unter Kontrolle zu halten ist eine Sache. Dann kommt noch die eigene körperliche Belastung durch die Kälte ... Mushing erfordert vollen Körpereinsatz bei Mensch und Hund. Ein schwerer Tourenschlitten oder das Fahren hinter einem schnellem Team fordert die ganze Aufmerksamkeit und körperlichen Einsatz. Je größer und schneller das Team und je schwieriger das Gelände desto mehr wird vom Musher eine hohe Konzentrationsfähigkeit abverlangt. In bestimmten Situationen wird blitzschnelles Reagieren erforderlich, um nicht in die Hunde hinein zu fahren und sie dabei zu verletzen. Der Musher muss gleichzeitig seine Hunde immer im Blick haben, um mögliche Verletzungen, den Erschöpfungszustand seiner Hunde und Leinenverwicklungen korrekt einzuschätzen und zu erkennen. Gleichzeitig darf er nicht die Orientierung verlieren - was besonders bei Touren im unbekannten Gelände wichtig ist. Er muss Kälteresistent sein und den Willen und die Befähigung besitzen immer und überall, allein ohne Hilfe zu recht kommen zu können. Ob es sich um verletzte Hunde, verletzte Menschen, Geländeschwierigkeiten, Begegnungen mit Wildtieren oder um Schäden am Schlitten handelt. Denn im Gegensatz zu anderen Sportarten kann der Musher nicht einfach das Handy rausholen und Hilfe rufen.
 
Ein gute körperliche, geistige und seelische Verfassung gepaart mit Ausdauer ist also eine Grundvoraussetzung für diesen Sport. Das alles muss trainiert und erhalten werden. Auch die Abhärtung gegenüber der Kälte lohnt sich :-) ... Bei Schlittentouren ist man oft längere Zeit (Tage) in der freien Natur und übernachtet auch bei Kälte (-30 C) oft im Zelt. Nach dem Skifahren zum Beispiel kann das Apre´s-Ski genossen werden - der Musher kümmert sich jetzt erst mal um seine Hunde  und versorgt sie in allen Bereichen (Futter, Wasser, Pfotenpflege ...). Dies erfordert oft harte Arbeit wie Schneeschmelzen, gefrorenes Hundefutter zerhacken ...
 
Außer der Liebe zur Natur und den Hunden hat ein Musher also schon besondere Eigenschaften mitzubringen und deshalb ist es auch so wichtig sich das Ganze einmal anzuschauen bevor man sich in dieses Abenteuer stürzt.

Damit ich eine entsprechende Strecke mit meinen Hunden bewältigen kann, müssen mehrere Komponenten zusammentreffen:

Zunächst einmal der Hundetyp. Wir stützen uns in unserem Zwinger zum Einen auf unsere eigene Nachzucht und auf dazu geholte Hunde aus entsprechenden Zuchten. Wir legen bei unseren Hunden weniger Wert auf den sogenannten Phänotyp (deshalb sehen unsere Gespanne auch wie willkürlich zusammengewürfelte Haufen aus) sondern wesentlich mehr Augenmerk auf die Leistungsmerkmale als Schlittenhund. Wir konzentrieren uns im Einzelnen also auf den Körperbau, Gesundheit, gutes Verdauungssystem, Winkelungen im Geläuf, Fressverhalten, Sozialverhalten (zu Mensch und Hund), Kälteresistenz, das Disire to go, Gangarten eines Schlittenhundes (flüssig, alle Gangarten Möglich, nahezu mühelos ...), Pfotenunempfindlichkeit, Ausdauer im Laufen und in den Geschirrzeiten sowie der Regenerationszeit und natürlich sind damit unsere Hunde sehr nahe am "Hunde-Urtyp" (dies hat nichts mit Reinrassigkeit zu tun - um dieser leidigen Diskussion gleich aus dem Weg zu gehen) - was auch so sein soll. Bei uns hat sich der Hundetyp "Alaskan Husky der Zuchtlinie Aurora" als besonders gut bewährt und fast alle unsere Hunde stammen aus dieser Linie ab oder sind mit der Linie eng verwandt. Alle "Experimente" (dieses Wort bitte nicht auf die Goldwaage legen) aus anderen Linien haben auf irgendeine Art "Schwächen" im Longtrail gezeigt. Mit Schwächen meine ich zum Beispiel: sie können tatsächlich nicht alle Gangarten, längere Geschirrzeiten enden mit offenen Wunden,  zu lange Regenerationsphasen, zu geringe Widerstandskraft in der Gesundheit, viel zu sensibel im Kopf, kein Überlebenstrieb beim Laufen, können keine Kräfte einteilen, Fressen nicht nach Belastung sondern brauchen einfach zu lange um physisch und psychisch "Runterzufahren", sind nervlich zu gering belastbar  ... Unsere Hunde sind damit nicht nur belastbar sondern sie kommen auch sehr gut mit Belastung zurecht (zwei vollkommen verschiedene Stiefel) und empfinden diese Belastung nicht als negatives Erlebnis (was bei anderen Hundetypen recht schnell eintreten kann). Was wiederum für die Ausbildung und das Training im Langstreckenbereich enorm wichtig ist. Sehen sie dazu auch unser Trainingspensum, dies ist nicht mit allen Hunden in der Art möglich (diese Kilometer sind vor dem Wagen - nicht auf Schnee)! Diese "Experimente" aus ganz bekannten Zuchten haben wir ausnahmslos an Sprintteams weiter gegeben und dort leisten sie hervorragende Arbeit und sind glückliche Hunde. Das waren ganz klar Entscheidungen für den Hund. Die Hunde, die auch bei uns den entsprechenden "Einsatz" gefunden hatten, aber leider zu viel waren (wir leben in Deutschland und nicht in Alaska oder Skandinavien - bitte nicht vergessen) - laufen jetzt alle weiterhin erfolgreich in Langstreckenteams. Weil in Deutschland leider nur wenige echte Longtrail-Musher zu finden sind - hauptsächlich in Österreich. Bei allen Leistungskriterien lieben wir unsere Hunde, bitte diesen Punkt nicht vergessen - wir haben uns nur entschieden was wir machen wollen und können so alle unsere Hunde mitnehmen. Was wiederum allen einzelnen Hunden zu Gute kommt, denn keiner wird auf irgendeine Art ausgeschlossen.  Wir haben also unseren Hundtyp gefunden und alle unsere Erfahrungen zeigen, dass wir damit richtig liegen. Leider gibt es von diesen Hunden - zumindest in Deutschland - nicht mehr sehr viele und fast alle Züchter gehen mehr und mehr in eine ganz andere Richtung. Da wird stundenlang über Reinrassigkeit diskutiert (wobei man wirklich reinrassige Hunde, egal ob mit oder ohne "Papiere" lange suchen muss), wird über Grundschnelligkeit und Sprintfähigkeit gesprochen und dabei werden die Hunde auf fast allen Gebieten immer empfindlicher und entfernen sich vom wirklich ursprünglichen "Ur-Hund" immer mehr. Das liegt sicher auch daran, dass es wenig Distanzmusher und die entsprechenden Rennen gibt. Leider gilt für viele Musher ein Rennen über 10Km schon als Middle-Distanz und es wird über die Streckenlängen heftigst diskutiert. Und dann - stehen schließlich auch jede Menge finanzielle Interessen hinter so manch einer Zuchtverbandsentscheidung oder Aussage eines bekannten Züchters oder Züchterin (gerade die wollen wir mal nicht vergessen :-))

Ich persönlich hoffe ja, das die Streckenlängen sich kontinuierlich erhöhen, weil es zum Einen den Hunden und deren Haltung wesentlich näher kommt und sich dann die Zucht automatisch darauf einstellen muss, um das Leistungsniveau und die sportlichen Erfolge zu halten und so wieder mehr nordisches Blut in unsere Schlittenhunde kommt. Nichts gegen die reinen Houndzüchtungen doch unter dem Überbegriff Schlittenhund/Husky stelle ich mir einfach eine Art von Hunden vor. Als vorbildliches Beispiel  will ich einmal stellvertretend das Sprint-Rennen in Oberndorf über 7,5 Km und in Reisenbach über 10 Km nennen. Das sind doch mal gute Anfänge. Der Arno Steichler hat mir als Rennleiter einmal gesagt: "ein Musher muss doch in der Lage sein, mit seinem Gespann wenigstens 10 Km mit dem Wagen fahren zu können". Dieser Aussage habe ich nichts hinzu zu fügen, wobei die Streckenlängen ruhig auch mal auf 15 Km oder 20 Km ausgedehnt werden könnten. Da ist meine Trainingsfahrt schon länger ... auch vor dem Wagen - wohlbemerkt .... 

Das Futter ... alles was nun kommt trifft ebenfalls auf unsere Hunde zu. Bei anderen Hundetypen explodieren die Futterkosten geradezu, weil der Futterumsatz im Magen-Darm-Trackt bei diesen Hunden anscheinend immer uneffektiver wird und dann diese hochwissenschaftlichen Futtermethoden zur Deckung des Energiebedarfs und zur Verhinderung von körperlichen Schäden oder Krankheiten wirklich notwendig werden. Das haben wir ebenfalls am eigenen Leib zu spüren bekommen. Hier gibt es jede Menge hochwissenschaftlicher Diskussionen und natürlich haben wir auch alles Mögliche ausprobiert und sind zu dem Schluss gekommen, dass einfach und hochwertig für unsere Hunde das Beste ist. Alle sogenannten "unverzichtbaren" Zusatzmittel haben sich bei uns als unnütz herausgestellt. Wir fahren wesentlich längere Trainings-Strecken ( Anfang Oktober - zwischen 25 Km und 35 Km auf "Dreck") als jeder andere Musher den wir kennen, haben wesentlich mehr Gewicht pro Hund (zwischen 30Kg und 40Kg), schwere und tiefe Trails, unsere Hunde laufen bei Temperaturen von -50Grad bis +20Grad vor dem Wagen oder vor dem Schlitten und unsere Hunde bekommen kein außergewöhnliches Futter oder irgendwelche Zusatzmittel, die die Leistungen steigern sollen. Dabei überschreiten wir die im Longtrail gängigen Durchschnittsgeschwindigkeiten bei Weitem und laut meinem GPS erreiche ich Spitzengeschwindigkeiten von 38 Km/h, wenn ich sie laufen lasse (vor dem Wagen und mit dem Gewicht). Wir füttern HappyDog 30/20 und geben nur bei außergewöhnlichen Belastungen Maltodextrin zur schnelleren Regeneration und snacken tun wir bei Strecken unter 50Km (vor dem Wagen) auch nicht. Ich kenne die ganzen Diskussionen über körperliche Belastungen, Kreislauf, Vergleiche mit Leistungssport-Training (genau dem wird aber entgegen gehandelt, wenn ich die Hunde im Frühling runter trainiere), Clukosespeicherauffüllung, Muskelübersäuerungen, Windhundkrankheit ... doch unsere Erfahrungen basieren auf jahrelangen pragmatischen Trainingserfahrungen, Leistungsbereitschaft der Hunde, Gesundheit sowie Lebensdauer und unsere Hunde verlieren kein Gewicht, haben keinen Motivationsverlust, keine körperlichen Schäden, werden alle sehr alt und bleiben dabei noch Leistungsfähig. So laufen zum Beispiel zwei 11 Jährige Rüden als Leistungsträger im Gespann (die laufen übrigens die Höchstgeschwindigkeit von über 30 Km/h auch noch mit). Ich habe auch viele lange Diskussionen mit meinem sehr erfahrenen Tierarzt (Facharzt für Tierchirurgie und Facharzt für Sportpferde) darüber geführt und mir dort mal den tatsächlichen Energiebedarf für den einen oder anderen meiner Hunde auf diese Belastung errechnen lassen und alles zusammen hat mir gezeigt, dass wir nicht falsch liegen. Das sehe ich aber auch schon am lebenden Hund in unserem Zwinger und dies kann ich nun inzwischen über 25 Jahre Schlittenhundehaltung beobachten. Aber wie schon gesagt - bei unserem Hundetyp. Bei anderen Hundetypen haben wir ganz andere Erfahrungen machen müssen und da muss gezielt anders trainiert werden...

Das Training/Belastung ... auch hier gibt es die unterschiedlichsten Ansätze. Das geht von Freebiken über Schwimmen bis viel Bewegung im Auslauf. Das sind sicher tolle Möglichkeiten und diese werden auch von vielen bekannten Musher und Züchter propagiert - ja - kommen regelrecht in Mode. Vor allem das Freebiken wird als ein Trainingsmuss geführt. Wir allerdings - haben festgestellt, dass nichts über das Fahren geht. Je öfter ich einspannen und fahren kann desto besser und dies (natürlich mit viel Hundeverstand) das ganze Jahr über. Wir trainieren deshalb im Intervall-Training angepasst an Temperatur, Geländetyp, Trainingsstand und Tagesform der Hunde ... also mit viel Verstand und Auge für die Hunde. Das hat man oder nicht (kann ganz schlecht "nur" erlernt" werden). Dazu braucht man einfach Erfahrung und Hundeverstand -  sonst kann unser Art des Trainings auch in die Hose gehen. Die Intervalle (Strecken, aktive und passive Pausen, Trainingsphasen und Ruhephasen) sind ebenfalls aus Erfahrungen heraus aufgebaut und das muss jeder für sich und seine Hunde(-typen) selbst ermitteln. Eine Faustregel gibt es aber doch: je besser ich meine Hunde aus der Saison in den Sommer bringe, je höher ich den Trainingsstand im Sommer halten kann desto höher ist das Leistungsniveau im Herbst zum Trainingsbeginn (den es bei uns gar nicht im Sinne des Wortes gibt) und desto schneller kann ich die Strecken und die Belastungen bei kühlerem Wetter steigern. Das Leistungsniveau wird über Jahre aufgebaut und kann dann gut gehalten werden. So etwas geht nicht in einer Saison sondern dauert eben etwas länger. Wir trainieren unsere Hunde im Frühling also nicht ab oder runter sondern halten das Niveau - das ganze Jahr über - so hoch wie es nur geht. Als Longtrailmusher geht es uns nicht um reine Geschwindigkeit sondern viel mehr um Ausdauer. Also haben wir auch andere Intervalle und Belastungsarten für unsere Hunde. Natürlich dürfen unsere Hunde auch mal schnell laufen (schon allein um der Verkürzung der Muskeln vorzubeugen) allerdings ist die Geschwindigkeit nicht unser erstes Trainingsziel sondern vielmehr eine gewisse Durchschnittsgeschwindigkeit über eine bestimmte Strecke zu erreichen und die Hunde dabei in der Lage sind über Stunden hart ohne Motivationsverlust zu arbeiten. Andere diskutieren da im Minutenbereich. Wir haben fest gestellt, das über Kraft und Ausdauer automatisch auch Geschwindigkeit (sowohl im Trab als auch im Galopp) kommt. Sprintteams sollten allerdings exakt auf die Streckenlängen achten, denn bei intelligenten Hunden tritt sonst der Überlebenstrieb beim Laufen früher ein und diese Hunde fallen immer früher in den Trab (was Sprintfahrer ja nicht so gern sehen). Wir haben im Training festgestellt das dieser Effekt bei ca. 15 Km eintritt. Bei Hunden ohne Überlebenstrieb in dem Bereich (findet man oft bei den Houndzüchtungen) tritt entweder die totale Erschöpfung ein, körperliche Leistungsgrenzen werden überschritten, Substanzverlust tritt ein und das macht der Hund auch nicht lange mit sondern wird das Laufen irgendwann komplett verweigern (Negativerlebnis oder einfach körperlich kaputt) oder er wird eben gnadenlos zu sich selbst laufen bis gesundheitliche Schäden eintreten. Dies schreibe ich auch aus eigener Erfahrung - solche Hunde müssen vor sich selbst geschützt werden und dies macht das Training komplizierter, weil die Grenzüberschreitung fatale Folgen hat. Aber gleichzeitig muss an die Grenzen heran gefahren werden, um Leistungssteigerungen zu erreichen. Eine zum Teil gefährliche Gradwanderung bei diesen Hunden. Dies jetzt hier im Einzelnen zu erläutern würde erheblich zu weit führen. Sehen Sie dazu auch unsere Trainingskilometer und Planungen unter Training - bitte hier klicken -

 

 

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Musherpaßnummern: Christiane 004923016111866; Ralf (diplomierter Hundeverhaltenstherapeut) 004922105601865
Wir sind beide seit 2006 Inhaber des Diploms "Better-Mushing I" vom VDSV
Stand: 27. Dezember 2014