Warum soll man mit Gewalt rauben, was man  in Güte durch Freundschaft und Liebe viel einfacher erhalten kann?  ... (Wahundsonacook  - Irokesse)


Sedivackuv Long 2011 in Destne

eines der anspruchsvollsten Rennen Europas


2010 habe ich beschlossen wieder zu meinen Wurzeln dem - Longtrail - zurück zu kehren. Da es mir weder finanziell (ich habe leider keine Sponsoren die mich unterstützen) noch zeitlich möglich ist, nach Kanada zu fliegen oder für ein paar Monate nach Skandinavien zu gehen, um wieder Rennerfahrungen zu sammeln und mein Team auf Schnee vorzubereiten, war es eine recht mutige Entscheidung. Ich konnte mich nur auf "Dreck" mit dem Trainingswagen auf ein Longtrailrennen  vorbereiten, was alle Longtrailmusher für unmöglich halten. Meine  Trainingsbedingungen sind hier in Deutschland nicht gerade optimal - ja eher kontraproduktiv.

Um so mehr bin ich stolz auf unsere  Hunde, denn wir haben bewiesen: Destne2011_001es geht doch...

Auf so ein Rennen muss das gesamte Team (Hunde und Musher) gut vorbereitet  werden. So habe ich mir einen gezielten Trainingsplan ausgearbeitet, den ich  leider aus zeitlichen Gründen auch nicht ganz einhalten konnte. Ich bin mit  einem Trainingsdefizit von ca. 200 Kilometern auf mein schon als sehr niedrig  angesetztem Ziel und gemischten Gefühlen - doch voller Vertrauen zu unseren  Hunden - nach Destne in die Tschechei gefahren. Obwohl ich sehr früh mit dem Training angefangen habe, kamen immer wieder Zwänge der Einhaltung des Trainingsplans in die Quere  ... einmal war es das Wetter - dann wieder zeitliche und berufliche Dinge ... es  war wie verhext, so als wollte mir eine höhere Macht den Start einfach versauen  :-) - aber ich habe nicht aufgegeben und muss meinen Hunden immer wieder Respekt zollen, dass sie die gewaltigen und harten Trainingseinheiten bei absolut ungeeigneten Temperaturen und sonstigen Bedingungen mit Leidenschaft und hoher Motivation mit gelaufen sind. Vor allem bin ich auf meine eigene Nachzucht extrem stolz.

Die Hunde vorzubereiten war eine Aufgabe, die andere die logistische Planung. Die Ausrüstung musste auf die extremen Bedingungen angepasst und vervollständigt werden, Hundefutter und Snacks mussten geplant werden ... Dies alles wurde  ständig angepasst, beschafft und zusammen gestellt.


Aufgrund der konstanten Trainingsleistung aller Hunde konnte ich mich nicht wirklich entscheiden, welche Hunde ich in mein Rennteam nehmen sollte. Sie waren alle gut und hoch motiviert. Vor allem mein eigener Nachwuchs zeigte sich als besonders  geeignet für die langen harten Strecken im Adlergebirge. Alle meine Hunde waren  gut drauf, doch ich will aus meinem eigenem Nachwuchs stellvertretend Tatonka,  Akhemo, Chinok und Tala erwähnen. Die vier haben ohne nachzulassen an den schweren Steigungen unermüdlich gearbeitet, wollten keine Pausen und waren  selbst nach den sehr harten 65 Km noch super gut drauf und haben im Ziel nach Futter geschrieen. Ich wusste bis zur Abgabe der Chipliste nicht :-) welche  Hunde ich nehmen sollte ...  zwei Tage vor der Abfahrt nach Tschechien fragte ich dann Patrick ob er nicht  auch mit den anderen Hunden in der Tourenklasse starten will, denn ich wollte einfach keinen Hund untätig an den Stake-Out oder zu Hause in den Zwinger verbannen. Dazu haben alle zu viel trainiert und gearbeitet. Patrick hatte bis dahin mal gerade 20 Kilometer auf dem Schlitten hinter sich, seine Erfahrungen beschränkten sich auf den Trainingswagen und er war sich zuerst unsicher - doch dann sagte er zu und wir nahmen 15 Hunde mit.


In Destne wurden dann folgende Teams zusammen  gestellt:

Rennteam Ralf

Rennteam Patrick

Billy

Limo

Ramirez

Cloud

Louis

Zappa

Lakota

Tala

Morpheus

Akeela

Kimba

Chinok

Woddy

Tatonka

Akhemo

Auf Ramirez habe ich in meinem Team ganz bewusst verzichtet, damit Patrick einen gestandenen und sehr erfahren Leader hat. Alles andere war einfach eine Bauchentscheidung und wir hätten die Hunde auch anders zusammenstellen können, denn jeder einzelne hat sich im Training für das Rennen qualifiziert...  Auch Kimba, den ich aus dem Tierschutz behalten habe, hat sich als echter schwer arbeitender Schlittenhund erwiesen. Kaum zu glauben, dass er die ersten zwei Jahre seines Lebens auf der Couch (die er allerdings auch immer zerlegt hat :-)) verbracht hat. Sein Vorbesitzer nannte ihn "sch... Köter" ich liebe diesen Hund  :-) ...


Auf der Karte die ersten und zweiten 65 Km des Sedivackuv und das sind zu fahrende Steigungen
          Destne2011_003                  Destne2011_002

da sehen 10 Kilometer in der Streckenlänge plötzlich ganz anders aus :-)


Die Anfahrt nach Destne:

Am Montag den 24.01.2011 machten wir uns vollgepackt auf den Weg in die Tschechei. Wir - das sind Ralf, Patrick und Eddi als Doghandler. Christiane musste leider bei den Welpen und den anderen Hunden bleiben und konnte nicht mitfahren. Was mir sehr leid tat, ich hätte sie gern dabei gehabt. Die Straßen waren frei und wir kamen nach ca. 8 Stunden in Destne wohlbehalten an. Bianca und Ernst hatten uns einen Platz reserviert und wir konnten gleich mit dem Aufbau des Stake-Outs beginnen. Alle Teams standen sehr eng, doch es war  genug Platz für alle da. Kurz vor Destne war noch alles grün - kein Schnee ...  Ich hoffte, dass sich dies noch änderte und - tatsächlich - in Destne lag Schnee  ... nicht übermäßig viel, doch genug. Die Hunde kamen aus dem Hänger, wurden gefüttert und wir bezogen unsere Unterkunft, welche einfach aber auch  ausreichend war. Ich stellte dann die Teams zusammen, wir legten unseren täglichen Rhythmus (füttern, Hunde droppen, Futter und Snackzusammensetzung ...)  fest. Bei gutem Essen, ein oder zwei Bier ließen wir den Tag mit Gesprächen (über Hunde natürlich) ausklingen. Ich wünschte mir noch etwas mehr Schnee - und es fing prompt zu Schneien ... und wie es schneite ...


1. Tag in Destne:

Nach dem Frühstück begannen wir den Tag in aller Ruhe mit Hunde aus den Boxen holen, füttern, im Hellen die Gegend anschauen und danach bauten wir in Ruhe die Schlitten zusammen zusammen und beluden sie mit der Ausrüstung. Die Schlitten wurden immer schwerer und unhandlicher. Wir schauten auf die Skipiste, die wir nach dem Start hochfahren sollten und redeten uns immer  wieder ein, dass sie nicht so steil ist wie sie aussieht :-) - es schneite immer noch und der Schlitten musste immer sofort zugemacht werden sonst wäre er voll mit Schnee. Der Trail wurde immer tiefer und schwerer ... Mit den anderen  Musher sprachen wir über Futter, Snacks, Taktiken und tauschten Erfahrungen aus  ... Wir holten unsere  Startnummern, nahmen an der Eröffnungszeremonie teil, setzten unser Futter und die Snacks für den kommenden Tag an und  warteten auf die erste Musherbesprechung um 19:00. Die war relativ kurz aber mit allem versehen was man wissen musste.  Die Musherbesprechung wurde in zwei Sprachen abgehalten, so dass alle alles verstanden haben:

Die Ausschilderung wurde beschrieben, dann kam die Streckenlänge von 65 Km, der Zustand des Trails mit dem vielen Neuschnee, der Punkt für eine eventuelle Hundeabgabe, der Abgang der KO-Strecke und die Karte mit dem Trail wurden gezeigt. Diese sollten wir - auf der uns ausgehändigten Karte - selbst abmalen und dann wurde noch kurz bekannt gegeben, dass der Trail dieses Jahr besonders tief und schwer sei  ... Uns wurde viel Spaß gewünscht, die Startfenster wurden noch bekannt  gegeben ... alles Wichtige war gesagt und wir ließen den Tag bei gutem Essen, vielen Gesprächen über Hunde und ein oder zwei Bier ausklingen ...


2. Tag in Destne - 1. Start für 65 Km mit 2120  Höhenmetern -

Um 07:00 klingelte wie jeden Tag der Wecker und es ging mit den letzten Vorbereitungen los. Es schneite immer noch ... Hunde aus den Boxen, füttern, Snacks vorbereiten, dann Frühstück, Schlitten hinstellen und mit dem Rest beladen, letzter Check der Batterien und Akkus, Geschirre anziehen und endlich - endlich kam mein Start auf den ich so heiss war ... Andrea sagte mir beim Start noch  "Good Mushing und viel Spaß - es wird sehr hart, aber dafür sind wir ja bekannt  ..."

Ich wusste nicht wirklich was auf mich zukam und der erste Berg war noch steiler als er aussah :-) - wenn die  Hunde nachließen kam der Schlitten rückwärts den Berg wieder runter - so steil war er ... nach dem harten Anstieg kam eine rasante Abfahrt in den Ort Destne zurück, vorbei an angehaltenen Autos und Zuschauern auf der Straße durch Häuser über einen fliesenden Bach  (ohne Brücke) ging es auf die Strecke. Der Trail war tief und schwer und es ging bergauf und bergauf und bergauf und bergauf ... Die Landschaft wurde immer schöner (ich kam mir wie in Finnland vor, nur das es dort flacher war :-)) - der Trail immer schwerer und  tiefer (ich gehörte zu den ersten die gestartet waren und wir haben zum großen Teil bei 30 cm Neuschnee auch noch den Trail brechen müssen).

Die Hunde arbeiteten schwer aber mit großer Motivation. Es war nicht  einfach den schweren Schlitten mit dem langen Gespann durch die Spitzkehren, rechtwinkligen Kurven und engen Wege zu bringen, doch alles ging glatt und ich entspannte auf dem Schlitten ... dann kam die erste Abfahrt - vielleicht 1,00 m breit, mit rechtwinkligen Kurven und Spitzkehren durch den Wald, auf extrem buckliger Piste mit teilweise mehr als 45 Grad Gefälle ging es in rasanter Fahrt nach  unten ... ich dachte schon diese Abfahrt hört nie auf doch dann noch eine rechtwinklige Kurve und ... es ging wieder bergauf und bergauf und bergauf und  bergauf ... das Sedivackuv - als Rennen zum Iron Sleddogman - machte seinem Namen alle Ehre.

Das Streckenprofil kann mit Worten nicht beschrieben werden - man muss es fahren, um zu verstehen warum es als ein so hartes Rennen gilt. Bis zum Abgang der KO-Strecke waren es "nur" 20 Kilometer - doch 20 Kilometer im Adlergebirge sind  einfach etwas ganz anderes :-). Ich lies die Hunde nicht zu schnell laufen um Kräfte zu sparen und ich brauchte für diese ersten 20 Kilometer 3,5 Stunden (das  fahre ich zu Hause aber ganz anders :-)) ...  das waren 3,5 Stunden extrem harte Arbeit für die Hunde die durch halsbrecherische Abfahrten unterbrochen waren. Bei Billy machte sich dann auch noch der Trainingsrückstand bemerkbar und ich fuhr aus Rücksicht auf ihn extrem langsam und kräftesparend. Es wurde dunkel, nebelig und es schneite ... die Sicht wurde schlechter und trotzdem machte es mir immer mehr Spaß - ich tat was ich tun wollte - mit meinen Hunden im Schnee lange unterwegs zu sein ...

Bis auf Billy waren alle Hunde super drauf und ich habe meinen Leithund dann ca. 2  Kilometer vor dem Ziel aufgeladen. Er war an der Grenze und ich wollte ihn nicht kaputt fahren. Ohne Rücksicht auf Billy konnte ich die Hunde dann laufen lassen und legte die Strecke recht schnell zurück. Sie legten nach über 50 harten Kilometern, durch mich frei gegeben, noch einmal richtig zu und ich kam nach 8,5 Stunden wohlbehalten im Ziel an. Die erste Etappe war geschafft ... Noch zur Ausrüstungskontrolle und dann zurück zum Stake-Out ... Meine erste Frage an Eddi  (unseren Doghandler) war: wo ist Patrick auf der Strecke (er ist nach mir gestartet)? Eddi konnte exakt verfolgen wo wir gerade sind, dies war eine toller Service für die Doghandler beim Rennen.

Patrick ist immer im gleichen Abstand zu mir unterwegs gewesen und kam ebenfalls nach knapp 8 Stunden mit allen Hunden wohlbehalten ohne Probleme im Ziel an. Alle unsere Hunde sind durchgelaufen - ich war stolz ... Vor allem mit 5 Hunden und dem schweren Schlitten zeigte Patrick (er musste erheblich mehr laufen als ich :-)) und unsere Hunde eine tolle Leistung ...

In der Musherbesprechung am Abend fragte Pavel dann ob uns die Strecke gefallen hat, denn am nächsten Tag ging es über die gleiche Strecke - nur bei Nacht -   ... Um zu verdeutlichen wie hart der Trail war - am ersten Tag haben 12 Teams aufgegeben und nach 20 Kilometern die KO-Strecke genommen - 2 Teams wurden sogar  von der Strecke geholt ...


3. Tag in Destne - 2. Start für 65 Km - Nachtfahrt -  mit 2120 Höhenmetern -

Der Tag begann wieder um 07:00 mit Hunde füttern, Schlitten vorbereiten ... Diesmal konnten wir unsere Schlitten wiegen und ich war über das Gewicht mehr als überrascht - 105 Kilogramm brachte mein Schlitten auf die Waage - nun wusste ich warum er so schwer zu lenken war und die Hunde sich bei den Anstiegen so plagen mussten ... Diesmal wollte ich Billy gleich zu Hause lassen und ging mit Zappa und Limo mit einem 9 Hunde-Team an den Start ... ich wäre auch nicht Ralf, wenn es nicht noch zu Katastrophen kommen würde :-) ....

 1. Katastrophe:
ca. 1 Km nach dem Start bricht mir der Handbogen von meinem Schlitten ab ... ganz kurze Überlegung das Rennen aufzugeben - aber nur ganz kurz :-) - ich fuhr  weiter ... allerdings hatte ich nun erhebliche Probleme den schweren Schlitten mit dem langen Gespann zu steuern und stand ganz gebeugt auf dem Schlitten, ich konnte auch auf der gesamten weiteren Fahrt den Schlitten nicht mehr in die  Kurven schieben und so mussten wir sehr oft durch Tiefschnee außerhalb des Trails fahren - was die Strecke noch schwerer machte ...

 2. Katastrophe:
Zappa verweigerte den Übergang über den Bach und blieb davor stehen. Er scheute das kalte Wasser und ich hatte einen Tangle vom feinsten. 15 Minuten brauchte ich um die Hunde aus den Leinen zu entwirren und Zappa über den Bach zu ziehen.  Dabei wurde ich ständig von den nachfolgend gestarteten Teams überholt - dabei liefen die Hunde Schulter an Schulter bei meinen vorbei und die Schlitten mussten gekippt werden damit man vorbei kam - es standen zeitweise 22 Hunde auf engstem Raum nebeneinander - keine Beissereien - alle hatten ihre Hunde gut im Griff (das kenne ich von den Sprintrennen auch massiv anders) ... Nun stand mein Gespann aber äußerst ungünstig für die unmittelbar danach kommende Kurve und mein gebrochener Handbogen verhinderte das exakte Steuern ...  So kam es wie es kommen musste - die Hunde zogen mich in voller Fahrt auf einen Baum zu - ich schrammte hart an ihm vorbei und verlor bei der Aktion meinen Schlittenanker (den ich am nächsten Tag allerdings wieder bekommen habe).

 3. Katastrophe
Zappa wich von Trail ab um eine Kurve abzukürzen und zog das gesamte Team in den über einen Meter hohen Tiefschnee ... durch den abgebrochenen Handbogen konnte ich ich nichts dagegen tun und der Schlitten fiel um - ich in den Tiefschnee und bekam den ganzen Thermoanzug über den Kragen voll Schnee - das eiskalte Wasser lief mir dann bis in die Schuhe .... das war ein "heißes" Gefühl  ...

 4. Katastrophe
durch den abgebrochenen Handbogen fiel mir der Schlitten mehrmals in den Kurven um, doch die Hunde blieben auf Kommando sofort stehen und so waren dies kleinere  Katastrophen :-)

Bis auf diese "Kleinigkeiten" verlief die Fahrt reibungslos :-) - es war dunkel (klar - war ja auch eine Nachtfahrt :-)) - es wurde kälter und ein eisiger Wind kam auf und damit nichts fehlte wurde die Sicht durch Nebel und starken Schneefall auf 1 m begrenzt. Ich sah meine Wheeler nicht mehr ... Der Trail war immer mehr ausgefahren und aus kleinen Buckeln entstanden immer tiefere Mulden, die am letzten Tag bis zu einem Meter tief waren. Da fiel der Schlitten regelrecht rein und kam fast senkrecht auf der anderen Seite wieder raus :-) ...

Nun funktionierte Zappa nach den ersten Katastrophen als Leader aber einwandfrei und ohne ihn hätte ich die Strecke nicht fahren können. Er suchte den Weg und ich fuhr voller Vertrauen in meine Hunde mit ...  Die Stirnlampe eingeschaltet sah ich gar nichts mehr durch die starke Lichtrefflektion und so fuhr ich fast ausschließlich im Stockdunkeln ... so ging es bergauf und die mörderischen Abfahrten hinunter ... auf den ersten 20 Kilometern liefen die Hunde etwas steif (durch die Belastung vom Vortag) doch dann wurden sie immer schneller und liefen immer freier und müheloser. Ich begann Gespanne zu überholen und ab Kilometer 30 legten meine Hunde richtig zu und ich fuhr immer schneller die Berge hoch ... Ich schaffte die Strecke diesmal in 7,5 Stunden bei Nacht, mit kaputtem Schlitten und wurde immer stolzer auf meiner Hunde.

Patrick machte viel Pause und die 5 Hunde kamen auch erst später richtig in Tritt. Sie mussten ja noch mehr ziehen und arbeiten und so kam Patrick nach 10,5  Stunden auch wohlbehalten im Ziel an ... Akeela war auf dem Trail auch noch auf eine Eisspitze getreten und Patrick hat ihn nach ca. 40 Kilometer vorsorglich aufgeladen, weil er eine kleine Druckstelle hatte. Alle Hunde waren gesund und ich mehr als nur zufrieden ... an diesem Tag haben weitere 14 Teams aufgeben müssen und wir sind durchgefahren und ich konnte sogar meine Zeit erheblich verbessern ....


4. Tag in Destne - 3. Start für 56 Km - Fahrt ins Biwak  - mit 2000 Höhenmetern -

Der Start an diesem Tag war erst gegen Mittag und so konnte ich meinen Schlitten notdürftig reparieren. An dieser Stelle sei einmal vielen herzlichen Dank dem Schweizer Musher und Ernst für die tatkräftige Hilfe bei der Reparatur ausgesprochen. Ich konnte wieder "normal" meinen Schlitten lenken und in die Kurven schieben ...  Ich konnte auch wieder gerade auf meinem Schlitten stehen - was ich sehr zu schätzen wusste, denn in der Nacht zuvor habe ich durch die schlechte Haltung wegen des kaputten Handbogens auf dem Schlitten Krämpfe in beiden Beinen bekommen, die mich die halbe Nacht wach gehalten haben ...

Am Tag zuvor habe ich meinen Billy als Leithund in Destne und bei dem Bach schmerzlich vermisst und so nahm ich ihn wieder mit. Wissend ihn aufladen zu müssen. Billy brachte mich problemlos durch Destne auf die Strecke und ich lud  ihn nach ca. 18 Km auf um ihn zu schonen. Zappa übernahm wieder die Leaderfunktion und die Fahrt verlief vollkommen reibungslos und vor allem flott. Die Hunde hatten sich eingelaufen und liefen wie auf Schienen - es war eine Freude sich das anzuschauen. Obwohl der Schlitten durch den aufgeladenen Billy noch schwerer war wurden wir immer schneller, ich musste bei Anstiegen gar nicht mehr helfen und die Abfahrten gingen sie im Galopp - eine Freude bei diesem Gespann auf dem Schlitten zu  stehen ....

Durch den späten Start kamen wir wieder in die Nacht mit starkem Nebel und ich sah nicht einmal mehr die Wheeler richtig, aber es lief super ... Das  Streckenprofil war noch härter als am Vortag und es wurde immer kälter (-25 Grad wurden gemessen), denn wir mussten zweimal als Schleife über mehrere starke Anstiege. Der Lauf war der härteste - wie ich fand  ... Um 19:30 kam ich nach knapp 7 Stunden im Biwak an. Es war wegen der starken Belastung der Hunde am Vortag (10,5 Std Arbeit) mit Patrick ausgemacht, dass er gleich die  KO-Strecke ins Biwak nimmt und so war er nach 33 Kilometern auch schon da. Der  Biwakplatz war eine Wiese die im Tiefschnee lag. So wurde der Aufbau des Stake-Outs, das Hunde füttern, Wärmeschutzmäntel anziehen und jeden Hund streicheln und Loben zu einem sehr anstrengenden Hin und Her durch Tiefschnee  ...

Nachdem die Hunde versorgt waren konnte ich mit Patrick in die Hütte gehen, um dort etwas zu essen und nach dem Gulasch mit irre viel Knoblauch ein oder zwei  Bier :-) zu trinken :-) - ich kam in die Hütte und mir blieb einfach nur die Luft weg - so überheizt war sie und ich musste immer wieder ins Freie um Luft zu  kriegen, der Temperaturunterschied zu draußen war einfach zu hoch (von -25 Grad auf mindestens +30 Grad) ... Die Hunde hatten das erste Mal in Ihrem Leben die Wärmeschutzmäntel an und betrachteten sie sehr argwöhnisch :-) - vor allem Morpheus wartete mit Katzenbuckel darauf, dass etwas schlimmes von dem Ding ausgeht :-) - doch die Wärme half Ihnen sich schnell zu regenieren und sie machten keinen Mantel kaputt (was meine große Befürchtung war :-) - Natürlich musste mir noch etwas passieren - ich wäre sonst nicht Ralf  :-) - Mein Thermoanzug hat sich während der Fahrt immer mehr aufgelöst ... ein kleines Loch wurde zum Riss und der Riss wurde immer größer bis er von der oberen Hälfte des Oberschenkels bis fast zu den Knöcheln ging .... das habe ich mit Klebeband dann im Biwak wieder zugeklebt - auf der Fahrt wurde es aber immer  kälter im Anzug :-) ...

Patrick und ich bauten dann recht schnell unser Bett (in der Hütte war es einfach zu warm) indem wir eine Rettungsdecke in den Schnee legten, darauf eine Isomatte und dann unsere Schlafsäcke. So schliefen wir im Schnee und froren keine bisschen ... -15 Grad waren für die Nacht vorhergesagt - tatsächlich wurden es über -30 Grad .... und auch im Biwak waren nicht mehr alle Teams dabei  ...


5. Tag in Destne - 4. Start für 37 Km - Fahrt vom Biwak  zurück - mit 2000 Höhenmetern -

Am nächsten Morgen 06:30 Uhr dann wieder mal der Schock für mich :-) - meine Schuhe waren nicht nur kalt - nein - sie waren so hart gefroren, dass ich damit Stake-Out-Stangen einschlagen konnte ... nun standen mein Füsse in einem Eisblock und ich hatte nach wenigen Sekunden überhaupt kein Gefühl mehr in den Zehen und im Fuss selbst ...als stände ich Barfuss im Schnee und ich hatte echte Angst mir die Füsse total zu erfrieren - egal jetzt fahre ich auch nach Hause ... bin selbst Schuld daran und das nächste Mal mache ich das anders :-) ....

Alles einpacken, Wärmeschutzmäntel ausziehen, Billy wieder in Schlittensack laden (ich wollte ihm die harte Strecke nach Hause ersparen), Stake-Out abbauen und alles in den Schlitten verladen, einspannen und aus dem Biwakgelände auf die Strecke fahren .... meine eiskalten Schuhe und Füsse machten alles nicht  leichter ...

Die gefrorenen Schuhe waren mein größtes Problem. Die Hunde kamen von Anfang an in Tritt und ich kam schnell voran. Die liefen als wären sie die letzten Tage keinen Meter gegangen und ich überholte wieder einige der vor mit gestarteten Gespanne. Ich sah viele völlig kaputte Hunde auf dem Trail vor den Schlitten liegen und Pause machen und Ich hatte das Gefühl mit den Hunden gerade wieder von vorn anfangen zu können - so gut liefen sie ... nach knapp 3,5 Stunden war ich im Ziel ... Schlitten zum Wiegen und dann ab zum Stake-Out und ausspannen  ... Eddi nahm mir das Ausspannen ab und ich konnte mich gleich um meine Füsse  kümmern ...

Meine Füsse waren total taub und ich dachte wirklich sie wären erfroren ... doch nach einer 3/4 Stunde auf der Heizung kamen die Schmerzen und ich war froh, dass sie nicht erfroren waren ... Nun war ich wieder bei meinen Hunden und ich bedankte mich bei jedem Einzelnen ...

Patrick kam nach 4 1/4 Stunden Fahrt und insgesamt 190 harten Kilometern ebenfalls gut im Ziel an und war sehr stolz - was er auch sein kann, denn es war sein erstes Rennen in so einer Kategorie und ich gratuliere ihm hier auch noch einmal ganz herzlich zu seiner hervorragenden Leistung ... meinen Hunden mit denen er gefahren ist - natürlich auch :-)

WIR sind DURCHGEFAHREN und lagen immer noch auf dem 9. Platz - für mich war mein Ziel übertroffen und ich bin hochzufrieden ... An dieser Stelle auch herzlichen Dank an Eddi, der als Doghandler eine hervorragende Arbeit geleistet hat und so in maßgeblicher Art und Weise zu dem Erfolg beigetragen hat ...

Eddi - Danke - und nächstes Jahr fahren wir wieder zusammen ...

Die Kilometerangaben in Destne müssen mit ganz anderen Augen gesehen werden -  das Sedivackuv hat seinem Ruf zu den härtesten Rennen Europas zu gehören alle Ehre gemacht und jeder der es nicht glaubt - der darf es gern mal fahren :-)

ICH bin nächstes Jahr wieder dabei ... ich habe wieder einiges gelernt - was Fütterung angeht, wie bekomme ich Wasser in die Hunde (jedenfalls nicht durch das übliche wässern), wie kann ich die Energie bei den Hunden hoch halten und wie muss ich  mich auf ein solches Rennen vorbereiten (auch ohne Schnee und monatelangen Aufenthalt in Skandinavien) - vieles wurde auch als richtig bestätigt - vor allem was meine Hunde  leisten können ....


6. Tag in Destne - Heimfahrt -

Wir haben unseren Erfolg natürlich am Abend mit 1 oder 2 Bier etwas gefeiert :-)  und am nächsten Morgen ging es ans Einpacken, verstauen und an die Heimfahrt. Natürlich nicht ohne Hindernisse, wenn Ralf unterwegs ist :-) - erst war die  Batterie leer, dann der Dieselfilter eingefroren und es dauerte über 2 Stunden bis wir endlich los gekommen sind. Die eingefrorenen Spanngurte tauten unterwegs auf und mussten etliche Male nachgespannt werden ... trotzdem kamen wir gut  voran und nicht zu spät nach Hause. Die Hunde haben sich gefreut wieder in Ihre vertrauten Zwinger zu kommen, Bono und Triebel als Daheimgebliebene waren ganz außer sich vor Freude dass alle wieder da waren ... Christiane hatte schon lecker Essen gekocht und so ist alles gut zu Ende gegangen ...


Nun noch einen großen Dank an die Organisatoren dieses  Rennens! Alles war super und so eine Strecke für so ein Rennen zu organisieren mit allen Beigaben wie zum Beispiel die Teamverfolgung während des Rennens -  dazu gehört eine Menge Arbeit und Enthusiasmus ... Ich habe auch noch auf keinem  Rennen so gut eingewiesene und toll arbeitenden Streckenposten gesehen ...

Andrea - Pavel und allen anderen Helfern -  vielen Dank ...


Hier sind die von uns gemachten Bilder vom Rennen in Destne <<hier klicken>>

hier sind noch weitere Bilder und Videos  vom Rennen in Destne (das Anschauen lohnt sich):

 http://brzekm.rajce.idnes.cz/Sedivackuv_long_2011/

 http://www.youtube.com/watch?v=Jl9FKl-4S2A

 http://arton.rajce.idnes.cz/SEDIVACKUV_LONG_2011/


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