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01.07.2006


Es ist viel leichter das grüne Gras woanders anzuschauen - als bei sich zu Hause im eigenen Garten   ... (David Seven Deers Halkomelen Skawah)


Und plötzlich war da ein Husky

(Eine ziemlich subjektive Lobpreisung an den Tollsten aller Hunde)

von Maico Schulz April 2000

Huskies sind keine normalen Hunde. Das einzige was sie mit normalen Hunden gemeinsam haben, ist eine gewisse anatomische Ähnlichkeit. Das ist aber auch schon alles. Wirklich alles!

Damit fangen schon die Probleme an. Suchen Sie mal einen Hunderatgeber für Huskies! Na? Eben! Genau da ist das Problem. Sie finden es nicht im Hundebuchregal. Steht da doch was: Finger weg! Dieser Laden hat keine Ahnung. Bücher über Huskies stehen prinzipiell in dem edelsten Regal aller Regale, neben Werken von Goethe, Gogol und Zimen. Manche – sehr praxisnahe Bücher finden Sie auch bei den Kochbüchern; Iiwoo, nicht Sie sollen den Husky essen, nein, Sie sollen ihn ja artgerecht verpflegen.

Genau, Sie haben vollkommen richtig gelesen: Verpflegen! Huskies füttert man nicht einfach, denn...Huskies – man kann es einfach nicht genug sagen – sind keine normale Hunde. Glauben Sie nicht?

Hehe, Sie haben einfach noch keinen. Hätten Sie einen, würden Sie nur noch eifrig nicken und Ihren Husky knuddeln. Falls Sie überhaupt noch Interesse am normalen menschlichen Leben haben. Es gibt nämlich gewisse Kennzeichen, die Huskyhalter irgendwie zu einer Schicksalsgemeinschaft zusammenschmiedet:

  •   das beseelte Wissen, seinem Husky alles, aber auch alles durchgehen zu lassen, denn wer könnte
      diesen Mandelaugen jemals böse sein?

  •   Seinem Husky alles, aber auch alles an lustigen Spielsachen zu kaufen, auch wenn der
      Gerichtsvollzieher täglich Ihre Klingel benutzt

  •   Eine gewisse, vielleicht geringschätzige, vielleicht auch arrogante Blickart auf nicht-Nordische
      Hunde.

  •   Sucht! Es bleibt nicht bei einem.

Keine Angst, das ist noch lange nicht alles, denn...

Huskies, die sagenhaftesten aller Vierbeiner, krempeln Ihr Leben um. Oh ja... Sie werden plötzlich auch bei +5°C schwitzen, Ihnen kommt der Winter zu kurz vor, Sie werden sportlicher als Sie es je in Ihrem Leben waren, Ihr Schuhverschleiß macht Sie zu gern gesehenen Kunden im Schuhladen, Ihnen kullern unbeherrscht Freudentränen aus den Augen bei den Worten: Arktis, Sibirien, Grönland, Yukon, Nome, Iditarod, Quest, Mushing, Samojeden, Tschuschken, Kamtschatka, Norden... Sie fahren hunderte von Kilometern, nur um ein Schlittenhundrennen zu sehen oder mitzufahren, Sie fahren Geländewagen, ...

  ...machen Sie sich nichts draus, denn...

Huskyhalter, Musher genannt, haben eh Frieden mit der lapidaren Welt der 08/15 Hundehalter geschlossen. Ja, Musher zeichnet ein zufriedenes Lächeln und Wissen aus, das sie überall und jederzeit gewinnbringend einsetzen. Stehen Sie im Stau? Augen schließen und sich vorstellen, man stünde auf einem Schlitten und sause durch eine eisige Landschaft. Ja, stellen Sie nur die Klimaanlage auf –20°C. Schließlich sind Sie Musher. Und nix, aber auch rein gar nix erschüttert Sie, denn Sie haben daheim Freunde auf vier Pfoten, die Sie nie im Stich lassen.

Das bezieht sich weniger auf Wachhund – so was Profanes käme dem grundpazifistischen Husky nie in den Sinn - das bezieht sich auf den unerschütterlichen Willen Ihres Huskies, mit Ihnen das Bett zu teilen. Aber als Musher legen Sie sich auch gern auf die Couch, wenn im Bett kein Platz mehr ist. Tun Sie es! Schließlich haben Sie keinen 08/15 Hund! Denn...

 ...wenn Sie das erste Mal im Winter im Zelt aufwachen, sich Ihre Hunde an Sie schmiegen und Ihnen dank dieser (göttlichen) Wärmequelle die eisige Nacht wie eine Sommernacht auf den Bahamas vorkam, dulden Sie Ihre Huskies, huldigen Sie ihnen. Wenn das freudige Schwanzwedeln im Zelt gleichzeitig mit einer Gesichtsreinigung via Abschlabbern gekoppelt wird, wissen Sie erst wahre Freundschaft zu schätzen. Und Sie lernen motorisches Können: Gleichzeitiges Huskyknuddeln und Teekochen! Das schult für’s Leben...

 ..fangen wir mal mit dem Kapitel Geduld an. Jaja, man muss schon die Nerven für 57x”Sitz” Befehl aufsagen haben. Aber sehen Sie dann die Freude in den Augen Ihres Huskies, wenn Sie entnervt und müde vor ihm zusammensacken und er sich dann [“Oh, Boss setzt sich! Mach ich auch!”] mit Ihnen auf den Boden setzt? Oder wenn er Ihr hilfloses Geschrei als Ansporn interpretiert und Sie ganz neue, schmerzhaft-interessante Kenntnisse mit dem Waldboden, mit Ästen und Baumstümpfen machen? So als Treibanker hilflos am Bauchgurt baumelnd, mit einem nach Wild jagenden Husky vorneweg? Ihr Husky, der halt ihr Geschrei als [“Hm, mein Boss hat Hunger! Ich fange ihm das Reh. Schließlich verpflegt er mich auch immer...”] interpretiert? Sie brauchen Nerven, aber die haben Sie! Was sind schon satte Fell-Schlamm-Zecken-Brocken, die Ihr treuer Vierbeiner in Ihrem noch einzig als wohnbar zu bezeichnenden Wohnraum von sich schleudert?

  Und ist es nicht schön, wie Ihr lieber, lieber Husky Ihnen aus Ihrem Daunenkissen eine weiße “Winterlandschaft” zaubert? [“Mein Boss freut sich aber, kuck mal an: Er weint ja schon vor Rührung!”]

 Kurzum: Sie haben einen Husky! Was um alles in dieser Welt wollen Sie denn noch?



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Stand: 27. Dezember 2014